Das Ringgleis : Radschnellweg oder Flaniermeile ?

Vom Bedeutungswandel einer alten Bahnstrecke

Von Hans-W. Fechtel / braunschweiger forum

Das Ringgleis. Am Anfang waren die Gleise und die Züge. Mit der Stilllegung des Bahnbetriebes kamen zunächst die Schottervegetation und die Brombeerhecken, später dann Birken und Sträucher, denen das alte Gleisbett gute Wachstumsbedingungen bot. Auch manch‘ ein Kaninchen, mancher Heuschreckenschwarm und manches Vogelpaar fand hier ein passables Zuhause.

Die Diskussionen um den Ausbau der alten Bahntrasse zu einem Geh-/Radweg in den späten 90er Jahren drehten sich um andere Belange:

  • Schaffung eines sicheren Schulweges
  • Spielräume für Kinder in dem mit Grünflächen unterversorgten westl. Ringgebiet
  • Schaffung eines „Ersatz-Parks“ vor der Haustür
  • Gassi-Strecke um die Ecke.

Die ersten Baumaßnahmen am Ringgleis trugen dem Rechnung; sie richteten sich vorrangig an Spaziergänger und FreizeitradlerInnen:

  • dezenter Rückschnitt der seitlichen Vegetation
  • Anlage eines naturnahen Weges in wassergebundener Decke
  • Ausstattung mit Sitzbänken und dezenter Beleuchtung entlang des Weges
  • hier und da Spielgeräte für die Kleinen und
  • Kotbeutelspender für die Hinterlassenschaften der Vierbeiner.

Mit dem fortschreitenden Ausbau der Gleistrasse und deren verbesserter Integration in das städtische Radverkehrsnetz haben sich die Nutzergruppen in den letzten Jahren teilweise verändert. Der Ringgleisweg findet zunehmend auch Beachtung bei den Alltagsradlern. Sei es als Abkürzung, auf dem täglichen Weg zur Schule/zur Arbeit, als schnelle Verbindung zum Nahversorger oder als sichere Alternative auf dem späten Heimweg von der Kneipe.

Mit dem teilweise veränderten Nutzerkreis ändern sich – „form follows function“ - nun bei manchem auch die Ansprüche an die Ausbauqualität des Weges:

  • Herr Manlik (CDU) und der ADFC fordern Asphaltdecken für eine ganzjährige Benutzung
  • an den querenden (Neben)Straßen wollen manche Ringgleis-Radler Vorfahrt erhalten
  • etliche Politiker und Planer sehen den Ringgleisweg gar schon als Teil eines Radschnellweges zw. Wolfsburg und Braunschweig.

Ja, was ist er denn nun, der Ringgleis-Weg? Nun, zu allererst ist er das verkehrliche Rückgrat eines Stadtumbaus hin zu einer „Stadt der kurzen Wege“ und zur Förderung der Nahmobilität in Braunschweig. Insoweit ist die Förderung des schnellen Radverkehrs o.k.

Das allein wäre aber zu kurz gedacht. Denn neben den RadlerInnen gibt es ja auch noch die Spaziergänger, die spielenden Kinder, die Gassigeher, die vielen Gehbehinderten mit ihren diversen Rollstühlen und Rollatoren … und die Stadtflaneure. Alle wollen sie am Charme und der Attraktivität des Ringgleisweges partizipieren. Und das sollen sie auch !

Deswegen wäre eine Ausrichtung des Wegeausbaus nur an den Interessen der schnellen RadlerInnen ein Fehler. Auch die Langsamen und Schwachen müssen ihren Platz finden auf dem Ringgleis !

Freuen wir uns daher über jeden und jede, die den Weg für sich „entdeckt“ und regelmäßig benutzt: sei es als wohnungsnahes Refugium, als Stadtteil-Promenade, als Sonnenwiese oder als flotte Abkürzung auf dem Weg ins Büro. Nur, wenn wir uns gegenseitig respektieren, wird der Ringgleisweg auch längerfristig ein Weg für alle sein … und uns verbinden !

Kommentare:

Ich finde die Oberfläche eigentlich OK, schon der fehlende Flächenversiegelung wegen.
Ich frage mich allerdings, warum es Planungen für einen Radschnellweg zwischen BS und WOB gibt. Würde es nicht wesentlich mehr Sinn ergeben, wenn man solche zwischen den umliegenden Ortschaften und BS etabliert?
Ich weiß...Politiker handeln oft weder in unserem Interesse, noch logisch.

Bastian 16.01.2019
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Das Thema Radschellweg ist wieder so ein Ding, womit sich jemand profillieren will. Im Grunde genommen ist der Feldweg zwischen Dibbesdorf über Wendhausen nach Lehre entlang der Schuntertalbahn schon ganz OK. Der Weg zwischen Querum und Dibbesdorf hat wegen der Splittoberfläche einen etwas schlechteren Zustand, ist aber trotzdem zügig befahrbar. Auf der Wolfsburger Seite sieht das noch etwas anders aus. Ich sehe keinen Grund hier in BS irgendwo noch Geld zum Fenster rauszuwerfen. Lieber die bestehenden Wege sanieren, Lücken im Netz schließen, u.a. Verbindungsrampe Ringgleis zur Friedrich-Seele-Straße schaffen (hätte man von Anfang an bauen sollen).
ich bin der meinung, dass die Stadt BS Radfahrer nicht genug ernst nimmt, Hinweise auf Probleme, Unfallgefahren und widersprüchliche Verkehrsführungen nicht gerne sieht und bei Eingaben nur vorformulierte Standardabsagen zurücksendet.
Daher müssen Interessenvereine wie das BS-Forum und der ADFC Braunschweig viel energischer auftreten. Radverkehr ist auch Verkehr, wichtiger Verkehr mit Grundbedürfnissen an Wegzustand, Barrierefreiheit (Brückenbreite, Treppenstufen an Brücken, enge Umlaufgitter) uvm. Wir haben teilweise immer noch Zustände wie in den 1960er- bis 1980er-Jahren, autogerechte Stadt, viel zu schmale Radwege, glattes und holpriges Kopf- und Kleinsteinpflaster auf Radwegen, sowei bei 2000er und 2010er Neubauten immernoch gefährliche Fehlplanungen wie am Ägidenmarkt oder dem Bohlweg.
Wo seid Ihr, Ihr Radfahrer, begehret endlich mal auf!

Radfahrer 23.01.2019
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Für mich, als ziemlich unempfindlicher,
das Ringgleis nur in meiner Freizeit nutzender Radsportler,
ist die derzeitige Oberfläche der Ringgleisstrecke völlig OK.

Aber: wer sie z.B. für Fahrten zur Arbeitsstelle, zu Veranstaltungen etc. nutzen möchte,
kann ja nicht so ohne weiteres den mehr oder weniger "reichlichen Dreck" entfernen,
der das Rad und die Kleidung befrachtet, und das in Abhängigkeit von der Witterung und örtlicher Nutzung auch noch in mehr oder weniger starkem Maße.

Deshalb finde ich die Idee einer "sauberen" Oberfläche prinzipiell sehr gut,
nur sollte die Frage der ökologisch sinnvollst-sauberen Ausgestaltung gründlich geprüft werden
und nicht der "schnellen Nummer : BILLIG" geopfert werden.

Ausserdem: Ich wünsche mir eine mindestens 1 x wöchentliche Reinigung der Strecke, denn dieses innerstädtische "Juwel" verdient es ganz besonders und unbedingt sauber gehalten zu werden.

Wolfgang Maeser 30.05.2018
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Es gibt übrigens auch viele Läufer, die das Ringgleis nutzen... Ich möchte keinen asphaltierten Weg, der meine Knie kaputt macht. Und wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, nehme ich gerne ein paar Dreckspritzer in Kauf, denn die kann man abwaschen. Mit dem Bremsen oder Ausweichen hatte ich bislang auch nie Probleme.

Anne Gehrke 11.02.2018
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"Wer die Geister rief..." Die Radvehrkehrs-Mobilität nimmt stark zu, u.a. regt deshalb auch der ADFC richtigerweise an, ein weitestgehend zusammenhängendes eigenes Radverkehrs-Wegenetz zu entwickeln. Dadurch könnten viele Konflikte der unterschiedlichsten Mobilitätsarten verringert oder ganz beseitigt werden. Deshalb ist dieser Ansatz richtig. Unzweifelhaft ist das Ringgleis deshalb ein maßgeblicher Teil eines solchen Netzes! Der Beweis ist die gute und stark zunehmende Nutzung durch Radfahrer. Die Steigerung der Radfahr-Mobilität ist ein gutes Ziel, dabei ist die "Qualität" ein wesentlicher Faktor. Auf einer wassergebundenen Oberfläche ist keine komfortable Nutzung gegeben. Schlaglöcher, Pfützen, Staub, schlechtes Bremsverhalten und Ausweichen (nicht nur bei schlechtem Wetter), werden überwiegend bemängelt. Darüber hinaus sind hohe Unterhaltskosten ständig nötig. Darum ist es wichtig, das Ringgleis nicht "ausschließlich" als "Kulturpfad" zu interpretieren. Nichts spricht sagen, solche Inseln auf dem langen Ringgleis einzubinden. Aber mit Verlaub - allenthalben angepriesene "Flohmarktnutzungen" vor die Grundnutzung als Radweg zu stellen, verfehlt das Ziel. Deshalb: Ein Ausbau nur noch asphaltiert vorzunehmen!
Reinhard Manlik

Reinhard Manlik 02.08.2017
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Herr Manlik,
"Ein Ausbau nur noch asphaltiert vorzunehmen!"
Da Sie ja auch Ratsherr der CDU im Braunschweiger Rathaus sind, möchte ich gerne mal wissen, warum Sie das nicht schon seit mindestens 2 Jahren umsetzen und Wegabschnitte wie Hamburger Straße bis Bienroder Weg und Gartenstadt - Kennelweg noch die wassergebundene Oberfläche haben.
Sich bei der Einweihung mit den anderen Leuten vor die Kamera stellen können Sie jedenfalls besser als Ihren Forderungen hier Taten folgen zu lassen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man hier in sachen Asphaltierung sogar eine überparteiliche Mehrheit im Rat finde würde.
Das BS-Forum könnte das im Übrigen dem Herrn Manlik auch ab und zu mal unter die Nase reiben, was er hier vor rund zwei Jahren gesagt hat.

Radfahrer 23.01.2019
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