Rangierbahnhof Braunschweig

Kleine Chronik 1900 -1945 (nach G. Miska*)

Bis zur Inbetriebnahme des neuen Rangierbahnhofes (Rbf) erfolgte der Rangierverkehr in BS auf den Bahnhöfen Rüningerfeld (südwestl. vor dem Alten Bahnhof zw. der Eisenbütteler Str. und der späteren Abzweigung „Gabelung“) und Braunschweig-Ost (angelegt um 1900 zw. der Salzdahlumer Str. und der Helmstedter Str. an der Strecke nach Helmstedt).

1913 wurden Pläne entwickelt zum Neubau eines leistungsfähigeren Rangier- und Güterbahnhofes (als „Flachbahnhof“ mit 45 Richtungsgleisen) südlich der Helmstedter Str., die während des 1. Weltkrieges jedoch zunächst nicht zur Ausführung gelangten. Die 1919 einsetzenden Erdarbeiten für den neuen Rbf. kamen wegen der schwierigen Wirtschaftslage 1926 fast zum Erliegen. Erst nach der Inbetriebnahme des Reichsbahn-Ausbesserungswerkes (RAW) im Jahr 1927 begannen die Bauarbeiten für die Brücken des inzwischen vereinfachten Rangierbahnhof-Projektes, die bis 1937 wegen des stark rückläufigen Güterverkehrs und der fehlenden finanziellen Mittel aber nur schleppend vorankamen und mehr eine Art „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ waren.

Mit dem Beschluss der Reichsregierung, im Salzgittergebiet ein neues Industriegebiet (die späteren „Reichswerke Hermann Göring“) und nördlich von BS in Fallersleben das VW-Werk zu errichten, entstand ein erwartbar erhöhter und lagemäßig veränderter Bedarf im Güterverkehr, der von den vorhandenen Braunschweiger Rangierbahnhöfen nicht abzudecken war. Im Spätsommer 1938 fiel dann die Entscheidung, in BS einen neuen Rangierbahnhof zu errichten. Am 1.12.1938 wurde zw. der Reichsbahn und der Stadt BS ferner der Bau eines neuen Hauptbahnhofes auf dem Gelände des Ostbahnhofes vertraglich beschlossen. Voraussetzung dafür war eine Verlagerung des Rangierbetriebes auf einen neuen Rangierbahnhof, der jetzt – wegen einer höheren Leistungsfähigkeit- jedoch als Gefällebahnhof konzipiert wurde. Dessen Rahmenbedingungen waren:

  • Bündelung aller Rangiertätigkeiten an einem Standort (ausgelegt für 5.600 Wagen/Tag)
  • Herstellung eines Höhenunterschiedes von 13 m zw. der Einfahr- und Ausfahrgruppe
  • Arbeitsrichtung West-Ost wegen des erwarteten starken Zulaufs von den Reichswerken und der Verteilung der Waggons in Richtung Mitteldeutschland (Halle/Leipzig)

Im Juli 1939 begannen die Erdarbeiten durch die damit beauftragte Baufirma Peter Büscher, die an der Südseite des RAW umgehend einen Feldbahn-Betriebsbahnhof einrichtete. Aufgabe der Feldbahn war es, Erdmassen vom Ostteil und der Sandentnahmestelle Lindenberg zum Westteil des Rbf (zum Bau der dortigen Dämme) zu transportieren. Unterhalb des Ablaufbergs in Höhe des Bunkers Borsigstr. wurde für die Feldbahn ein Tunnel angelegt (späterer Zugang zum Dienstgebäude West des Rbf), um ohne starke Neigungswechsel zum Bahnbetriebswerk an der Ackerstr. zu gelangen (auch dort ab 1940 größere Erdarbeiten).

Im April 1941 lagen die endgültigen Pläne für den Bau der Gleisanlagen und der Gebäude vor. Mit der Fertigstellung der Strecke Stellwerk 7 – Abzweig Schmiedekamp erhielt der Rbf im Juni 1942 einen direkten Anschluss an den Ostbahnhof und die Strecken aus Richtung Westen und Süden. Im August 1943 erfolgte die Fertigstellung der Baupläne für die Verbindungskurve Schmiedekamp-Lünischteich, am 01.10.1943 die offizielle (provisorische) Inbetriebnahme des Rbf. Letzte Arbeiten wie die Fertigstellung der Aufschüttungen der Dämme für die Einfahrgruppe bis zur Oker folgten im Frühjahr 1944 (ganz überwiegend durch Kriegs-gefangene und Zwangsarbeiter). Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in BS am 12.04.1945 wurde der Betrieb auf dem Rbf. vorübergehend eingestellt.

*(Quelle: Gerald Miska:  Vom Holzhof zur Niederlassung Ladungsverkehr – 160 Jahre Eisenbahngüterverkehr in Braunschweig, Selbstverlag 1955.)